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Indonesien: Plastikabfallfreie Schulen für die Banda-Inseln

Worum es geht:

Mit schätzungsweise 0,5-1,3 Millionen Tonnen Kunststoff, die jedes Jahr in den Ozean gelangen, ist Indonesien der zweitgrößte Verursacher Meeresmüll weltweit. Als Inselstaat steht Indonesien vor enormen logistischen Herausforderungen bei der Sammlung, Behandlung und Entsorgung von Abfällen. Erfolgreiche Abfallmanagementstrategien kommen dabei von den Gemeinden selbst, insbesondere wenn diese auf kleinen und abgelegenen Inseln liegen.

So wie auf den Banda-Inseln, einer kleinen Inselgruppe mitten in der Bandasee. Dort wurde 2012 ein kommunales Abfallmanagementsystem eingerichtet, das seitdem immer mehr Dörfer umfasst. Gefördert von der deutschen Stiftung BandaSEA e.V., wird es seitdem von dem Bandaneser und ehemaligen Englischlehrer Magafira Ali, dem Vorsitzenden der Luminocean-Stiftung, geleitet.

Gemeinsam arbeiten BandaSEA und Luminocean an Umwelt- und Gesundheitsfragen und informieren über die Folgen der Verschmutzung und die Möglichkeiten der Reduzierung und Verwertung von Kunststoffabfällen auf den Banda-Inseln.

Nach Magafiras Überzeugung kann dauerhaft nur eine Änderung der Lebensgewohnheiten die Menge an Plastikmüll in den Meeren reduzieren. Im Zentrum dieses Vorhabens stehen daher die Schülerinnen und Schüler der Banda-Inseln, denn über die Schule kann jedes einzelne Kind von Banda, also eine komplette Generation auch von zukünftigen Entscheidungsträgern erreicht werden. Das Wissen der Kinder wird auch zu Verhaltensänderungen in ihren Familien führen und hoffentlich ein Beispiel für andere Gemeinden in Indonesien geben.

Die Ziele des Projekts sind:

  • 42 Schulen mit 4.200 Kindern verwenden nur Mehrwegbecher und Geschirr.
  • Die Kinder lernen, wie man die Abfälle reduziert.
  • Die Kinder entwickeln ihre eigenen kreativen Recyclingideen.
  • Die Kinder sammeln praktische Erfahrungen bei der Trennung verschiedener Abfallarten.
  • Die Kinder tragen das Erlernte in ihre Familie.
  • Die Schulen der Banda-Inseln werden zu einem Vorbild für andere Schulen auf den Molukken.

Was gerade passiert:

Die Finanzierung des Projektes ist noch nicht gesichert, ein Crowdfunding soll hier weiter helfen. Spenden und Fördermittel werden für dieses erfolgversprechende Projekt verwendet, das sich langfristig selbst tragen wird.

Ein geeignetes Lehrprogramm wurde bereits 2018 erfolgreich an einer der Schulen eingeführt und soll nun an alle 42 Schulen auf den Banda-Inseln mit insgesamt 4.200 Schülerinnen und Schülern gebracht werden.

Bei einer Einführungsveranstaltung in Banda Naira werden Schulleiter und Lehrer informiert und erhalten dabei alle Informationen, die sie benötigen, um ihre Schulen in Plastikmüll-freie Schulen zu verwandeln.

„Zunächst werden wir die Lehrer jeder Schule anleiten, den Kindern beizubringen, warum die Verschmutzung ungesund für die Umwelt und für sie selbst ist, wie sie die Umweltverschmutzung reduzieren, organische und anorganische Abfälle trennen, bestimmte Kunststoffarten recyceln und wie sie und ihre Familien mit weniger Kunststoff gesünder leben können.“, sagt Magafira Ali. Die Themen werden nach einem von indonesischen Pädagogen entwickelten Lehrprogramm unterrichtet, das den Lehrern in gedruckter Form zur Verfügung gestellt wird.

Ausgewählte Lehrkräfte erhalten eine einwöchige spezielle Fortbildung und übernehmen an ihrer jeweiligen Schule die Funktion des „grünen“ Mentors. Dort werden sie das Lehrprogramm klassenübergreifend umsetzen und erhalten dabei auch Unterstützung von Magafira und seinen Mitstreitern.

Ein wichtiger Schritt besteht darin, in den Schulen insbesondere die Verwendung von Einwegartikeln aus Plastik zu minimieren. Dazu werden die Schulkantinen mit Tellern und Tassen für alle Kinder ausgestattet und Abwaschmöglichkeiten für das neue Mehrweggeschirr eingerichtet. Als Anreiz für die Teilnahme erhält jedes Kind eine eigene Flasche zum Nachfüllen und die üblichen Einweg-Trinkbecher werden aus den Schulen verbannt. Die Mentorinnen und Mentoren begleiten diesen Übergang an ihren Schulen.

Die Schüler werden dem Lehrprogramm entsprechend unterrichtet. Das Curriculum umfasst theoretische und praktische Aspekte und setzt einen Schwerpunkt auf die möglichst selbstständige Erarbeitung des Themas, dem Entwickeln und Ausprobieren neuer Ideen. Die Schüler lernen Verpackungsmüll in wertige Objekte umzuwandeln, sind an der Reinigung der Schulanlagen beteiligt und lernen Kunststoffabfälle auch in ihrer Familie zu reduzieren. Je nach Altersgruppe werden unterschiedliche Ansätze und Unterrichtspläne aus dem Lehrprogramm angewendet.

Nach dem ersten Schuljahr besuchen Vertreter des Ministeriums für Umwelt und Leben sowie Schulleiter und Lehrer aus fünf weiteren Gemeinden der Molukken die Schule von Banda. Während ihres fünftägigen Aufenthaltes wird die plastikfreie Schule präsentiert und die Ausweitung des Programms auf weitere Inseln diskutiert.

Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf 33.150 €, und zwar für

  • Einführungsveranstaltung an allen Schulen (3 Lehrer pro Schule): 1.050 €.
  • Schulung der "grünen Mentorinnen und Mentoren" € 2.350
  • Becher, Teller, Flaschen und Wasserspender: 9.550 Euro
  • Druck des Lehrprogramms für alle Schulen: 300 €.
  • Lehrerzuschüsse für ein Jahr: 16.800 €.
  • Einladung anderer Lehrer aus anderen Gemeinden zum Jahresende: 3.100 €.

Helfen Sie mit!

Was wir bisher erreicht haben:

Das Lehrprogramm wird ein Beispiel setzen. Über die Fortführung und Ausweitung des Vorhabens auf andere Schulen und damit die Übernahme des Programms in die Lehrpläne an indonesischen Schulen gibt es bereits ein Interesse der indonesischen Regierung.

Weitere Informationen:

Wer hat's gemacht